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Der «Drehorgelmann» wohnt in Liestal und hortet seine Schausteller-Schätze in einer Halle an der Oristalerstrasse. Jean-Jacques Der Dirigent, elegant in Kniehosen und Frack, bewegt sein Stöckchen rhythmisch auf und ab. Die anderen Figuren schlagen im gleichen Takt ihre Glökkchen an, während die Strassenorgel in üppiger Orchestrierung Musik aus sich herausströmen lässt. In den 60er-Jahren hatte die Orgel, hergestellt von einem Marc Fournier aus der französischen Stadt Vienne, ihren Standplatz beim Eiffelturm in Paris. Nachdem ihre grosse Zeit vorbei war, dämmerte sie während zehn Jahren in einer Scheune in Breitenbach stumm ihrem Zerfall entgegen – bis Jean-Jacques Péquignot sie zusammen mit Myrtha Singeisen zu neuem Leben erweckte. «ALS KIND kannte ich in Biel zwei Schausteller, während einiger Jahre half ich in meiner Freizeit beim Einsammeln des Fahrpreises auf ihren Karussells. Die farbige Welt des Jahrmarkts und der Schaustellerei faszinierte mich, und ich nahm mir schon damals vor, einmal Besitzer einer grossen Drehorgel zu werden », erzählt der Mann, der während 17 Jahren in Füllinsdorf eine kleine Firma für Mess- und Regeltechnik im Bereich Forschung geführt hatte. Die Suche nach der Wunschorgel sollte zwei Jahrzehnte dauern. Ein Kollege machte Péquignot auf die Orgel in Breitenbach aufmerksam, welche nach dem Tod ihres Besitzers, der sie von Frankreich in die Schweiz geholt hatte, zur Ruine verkommen war. «Während eineinhalb Jahren waren Myrtha Singeisen und ich mit Reparaturarbeiten beschäftigt. Bis zum letzten Nägelchen wurde alles auseinander genommen, fotografisch dokumentiert und wieder zusammengefügt »: Péquignot, nun im Ruhestand, befasste sich mit dem technischen Innenleben der Orgel, Kollegin Singeisen löste die hässliche Übermalung ab und rettete die ursprünglichen Ölmalereien. Die Orgel, strahlend im neuen Glanz, wurde auf den Namen «La Belle Epoque» getauft. DIE WUNDERORGEL ist mit einem Buvette- Teil ergänzt, auf dessen Rückwand Bilder zweier luftig bekleideter Damen für erotischen Jahrhundertwende-Charme sorgen. Am anderen Ende der Orgel können auf einer Auslage Apéro-Häppchen angeboten werden. «Das ganze Ensemble wird gern als Überraschung für Firmenanlässe, zu Hochzeiten oder Geburtstagen gemietet», erzählt der Hobby-Schausteller. Auf die Frage, ob die Vermietung der Orgel und der Kinder-Karussells mit den Pferdchen und einem selten schönen, geschnitzten kleinen Schlitten einträglich sei, reagiert Péquignot mit Lachen: «Der Transport, der stundenlange Auf- und Abbau der Einzelteile, die persönliche Betreuung beim Anlass, der Aufwand für Unterhaltsarbeiten und nicht zuletzt die Prämien für die Versicherung und die Schausteller-Konzession lassen den finanziellen Gewinn auf ein Minimum schrumpfen.» Sein Gewinn sei die Freude der Menschen, ihre Fröhlichkeit, die heitere Ambiance. Wenn am runden Geburtstag ein an Jahren reifes Geburtstagskind gerührt in Tränen ausbricht, weil die Drehorgel den Piaf-Klassiker «Non, je ne regrette rien» intoniert und alle Gäste begeistert applaudieren, fühlt sich Péquignot reich belohnt. Jahrmarktstimmung in Miniausgabe
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